Ehrenmitgliedschaft Prof. Dr. Magirius: Gedanken von Thomas Gerlach


Thomas Gerlach, © Klaus Bergner, 2004 (mit freundlicher Genehmigung)Im Rahmen der Bauherrenpreisverleihung am 7. November in der Sparkasse Mitte erlaubte sich der Verein für Denkmalpflege und Neues Bauen, dem verdienstvollen Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Prof. Dr. phil. Dr. sc. Heinrich Magirius die Ehrenmitgliedschaft anzutragen.

Der Verein suchte für diesen eigentlich nur vereinsintern bedeutsamen Moment die Öffentlichkeit mit der Absicht, die Wertschätzung, die die Bürgerschaft unserer Stadt dem international hoch anerkannten Wissenschaftler schuldet, auf angemessene Weise zum Ausdruck zu bringen. Er tat das in dem Bewußtsein, daß ein solcher Verein auch die Aufgabe hat, der Bürgerschaft eine Stimme zu verleihen.

Wir erleben gerade wieder eine Zeit, in der die öffentliche Hand ihr kulturelles Engagement zunehmend unter Haushaltsvorbehalt stellt. Sie hat dazu ganz ohne Zweifel guten Gründe, und niemand wird sich dem Argument verschließen können, daß nur ausgegeben werden kann, was da ist. Da ist es aber auch geboten, daß sich die Bürgerschaft in gegenseitiger Selbstvergewisserung ihrer kulturellen Werte besinnt und mit Bedacht die Grundsätze bestimmt, nach denen die knapper werdenden Mittel zu verteilen sind.

Prof. Dr. Magirius hat in einer Zeit das Fähnlein der Denkmalpflege hoch zu halten gelernt, die deutlich schwerer war als die, die wir jetzt erleben. Damals gab es wirklich nichts zu verteilen. Da gab es nicht nur kein Geld für eine Abwrackprämie, da gab es nicht mal genügend Autos. Aber es gab - auch wenn das heute kaum noch jemand hören will - einen vom Gelde unabhängigen kritischen Verstand, der jenseits von Märkten und Ideologien für tatsächliche Werte zu streiten verstand. Heinrich Magirius ist reich an solchem Geist.

Doch er verfügt nicht nur über die Fähigkeit, schlüssig und fundiert zu argumentieren, er verfügt auch über die Kunst, zuzuhören und Argumente anzunehmen.

Leider müssen wir für unsere Tage ja festhalten, daß insbesondere städtebauliche Argumente gerade dort, wo Bauwerke den öffentlichen Raum bestimmen, kaum noch eine Rolle spielen. Die an der Meißner Straße hingekleckerten Markhallen sind traurige Belege dafür. Die Gefahr, daß der Kreuzungsbereich der Meißner mit der Hauptstraße im Bereich Glasinvest städtebaulich noch weiter entwertet wird, ist im Moment größer denn je. Warum, so stellt sich die Frage, warum müssen Markthallen immer so aussehen, als hätten ihre Betreiber gegenüber ihrer Kundschaft nicht die geringste Achtung?

Mit der öffentlichen Verkündung der Ehrenmitgliedschaft von Heinrich Magirius im Verein für Denkmalpflege und Neues Bauen Radebeul e.V. verbinden wir die Hoffnung, daß der von ihm getragene humanistische Geist im Verein selbst und - von hier aus - vor allem in der Stadt das ihm gebührende Gewicht erhält. Denn es ist ein Geist der Würde und der Achtung, der Geist der Tiefe und des Verständnisses, der heute mehr denn je darauf angewiesen ist, gegen eine vordergründig marktwirtschaftlich geprägte neoliberale Kurzsichtigkeit verteidigt zu werden.

Thomas Gerlach, im Dez. 2009


 
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